Bärig: Suppennudeln

Kennen Sie die Geschichte vom Suppenkaspar? Wer nicht!? Denkt man – und ist manchmal verwundert, dass und wieviele Kinder sie nicht kennen. Auch Kinder, die lieber zu Fast Food als zu Suppe greifen würden. Oder Kinder, die glauben, Suppe käme fertig aus der 5-Minuten-Terrine oder Fertigsuppen-Tüte und die keine Ahnung mehr haben, was da alles in den Bröseln und Pulvern steckt, die nach dem Aufguss mit heissem Wasser binnen Minute(n) quellend und köchelnd und mit Zutaten, deren Namen sie nicht mal richtig lesen oder vorlesen können oder wissen, was sie bedeuten “Geschmack” haben sollen.

Nein, ich habe nicht generell etwas gegen Convenience Food und Produkte, aber – wie §§Zwirbler bekanntlich gern sagen und zitiert werden – es kommt immer drauf an.

Grundsätzlich bevorzuge ich “Convenience Alla Casa.” Bei Suppen eben auch, man kann es sich mit wenig Aufwand selbst “very convenient”, sehr bequem  machen – und weiss dann wenigstens immer, was drin ist. Keine Zutatenliste, keine Kennzeichnungsprobleme. Allenfalls müssen Sie dann selbst beschriften, was in Ihrem TK-Fach gelagert ist.

Wenn Convenience Food z.B. hilft, dass ältere Menschen so lange wie möglich nicht in ein Senioren- oder Pflegeheim umziehen müssen und sich in eigenen vier Wänden mit wenig Mühe und Handgriffen, die ihnen durch Gicht, Arthritis, Rheuma oder Bewegungs- und Mobilitätseinschränkungen helfen, sich noch selbst Mahlzeiten zubereiten zu können, finde ich das im Prinzip eine gute Sache: Kein Schnibbeln von viel Gemüse mit zunehmend schwerer beweglichen oder schmerzenden Fingern und nachlassender Kraft, weniger Selbstverletzungsgefahr mit Messern, beispielsweise. Es ist schwer(er) bei nachlassender Sehkraft auch beim Putzen des Gemüses zu erkennen, was kann in den Topf, was nicht.  Simple Beispiele, Alltag für viele Menschen. Und die demographische Entwicklung spielt mit, dass das zunehmend Alltag für immer mehr Menschen wird und werden kann. Das – und ungezählte weitere kleine Beispiele.  Ich könnte Ihnen eine lange Liste der Dinge schreiben, die sich verändern und die Sie peu à peu zur Hürde werden sehen, wenn Sie einen älteren Menschen bis ins hohe Alter begleiten, der in den eigenen 4 Wänden zu bleiben versucht, während Kräfte nachlassen. Und für den es wichtig ist, dass es zunehmend leichter wird oder ihm leichter gemacht werden kann. Wie wichtig dabei aber gerade tägliche Mahlzeiten sind und welche, nicht nur für die Gesundheit auch und erst recht im Alter ist eine Sache. Wie wichtig für das Streicheln der Seele, für das Wohlbefinden, gegen Momente auch manchmal der Depression, schlicht für das Empfinden des “Lebenswertes”, wird dabei leicht übersehen. Essen allein würde naturellement nicht menschliche Zuwendung und Kontakte und Zeit mit Menschen und gegen Alterseinsamkeit ersetzen. Aber………beides ist wichtig. Beides sind “Bausteine” des täglichen Lebens.

Wenn also Convenience Food bei älteren Menschen bei Essen auf Rädern wie  zur eigenen Zubereitung durch jeden und jeden Alters ein Vorteil, eine gesunde und schmackhafte Hilfe ist – einverstanden. Aber – es kommt eben darauf an. Was wirklich drin ist. Welche Qualität sie hat.

Wurzel für Allerlei  © Liz Collet

Wurzel für Allerlei © Liz Collet

Und das gilt für Convenience Food für Kunden jeden Alters. Bei der Entscheidung zwischen einer Tüte Nudelsuppe und aus wenigen Zutaten selbst zubereiteter Nudelsuppe gebe ich letzterer den Vorzug. Kindern den Spass daran zu vermitteln, auch zu lernen, welche Zutaten, welche Preise, welche Qualität und wie zubereiten und damit auch wieder zu lernen, was heute nicht mehr jeder von Eltern und Grosseltern oder innerhalb der Familie zu lernen scheint und selbstverständlich sein könnte und sollte, wäre eigentlich nicht so schwer. Die Landfrauen Weilheim-Schongau (und nicht sie allein) engagieren sich für die Integration solcher Lehrinhalten an den Schulen als Unterrichtsfach : Schulfach Alltags- und Lebensökonomie. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass nicht auf  Schule und Ministerien delegiert werden sollte, was ich in erster Linie als Frage der Erziehung im Elternhaus und in der Familie und im privaten Umfeld ansehe. Denn wenig Nutzen ist gewonnen, wenn Kinder in der Schule derlei lernen, zuhause aber nicht umsetzen können, weil Eltern und Familie es dort noch immer anders handhaben, um nur ein Beispiel zu nennen. Ein anderer Grund ist für mich, dass Eltern und Elternrechte auch Verantwortung bedeuten, aus deren Pflicht nicht bequemerweise immer dann entlassen werden sollte, wenn es bequem ist, während bei “unbequemen” Einmischungen von Schule, Ämtern und Staat die Flagge des elterlichen Erziehungsrechts hoch gehisst und verteidigt wird.

Jedoch sehe ich es als hilfreiche Unterstützung für Kinder und die Kunden der Zukunft an, die – auch das darf man nicht übersehen – morgen über das (mit)entscheiden werden, was dann für deren Kinder, aber auch für die älter werdende und inzwischen älter gewordene Kundengeneration auf dem Markt von Lebensmitteln gefragt und vorhanden sein wird. Anders gesagt: Als Kunden wie in manchen Berufen werden die Kinder vonheute landen, die in Lebensmittelherstellung und -handel auch mitentscheiden, was dann noch für die Generation ihrer heutigen Eltern zB in 20-30 Jahren im Angebot und auf den Tisch kommt. Also für uns auch. Somit kann und muss es letztlich auch aus diesem Gesichtspunkt ein Anliegen sein, was sie uns dann, wenn wir selbst vielleicht nicht mehr oder nicht mehr alles selbst einkaufen, kochen, zubereiten, beeinflussen können, servieren werden. Im Regal der Märkte – und aufgetafelt. Ob daheim oder dort, wo man dann im Alter wohnt.

Auch die Suppe, die sie oder wir dann auslöffeln müssen, nachdem wir sie ihnen eingebrockt oder nicht beigebracht haben, wie minimal wenig dazu erforderlich ist. Für maximalen Genuss. Und bärigen Spass an Nudelsuppe und Suppennudeln und nicht nur für die Suppe. Die bekanntlich ein eigentlich bekömmlicher Ersatz oder Auftakt für das tägliche Essen ist. Und einer der Tipps auch gegen Überernährung und Übergewicht.

Auch ——— bereits bei Kindern.

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About Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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