Spaghetti all’Amatriciana: Essen für Erdbebenopfer

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Röhrennudeln | Bucatini | Hohlraumnudeln © Liz Collet

Bucatini all’amatriciana oder Bucatini alla matriciana, auch Spaghetti all’amatriciana, das ist ein traditionelles Gericht der italienischen Küche aus dem Latium, das seinen Namen von Amatrice hat, das in den vergangenen Tagen von Erdbeben zerstört wurde.

Am letztem Wochenende im August hätte man dort wie jedes Jahr die Sagra degli Spaghetti all’amatriciana gefeiert.

Aus Solidarität wurde nun eine Hilfsaktion initiiert, bei welcher viele Restaurants die Spaghetti all’Amatriciana auf die Speisekarte setzen und zwei Euro pro Gast spenden.

Begonnen hat alles mit der Idee eines bloggenden Grafikers aus Rom, innerhalb weniger Stunden haben sich schon mehr als 700 italienische Restaurants in Italien und aller Welt der Initiative angeschlossen: Für ein Jahr wollen sie das berühmte Nudelgericht Spaghetti all’Amatriciana auf ihre Speisekarte setzen, wobei zwei Euro pro verkaufter Portion den Erdbebenopfern in der Region um den Geburtsort des Gerichtes, das Dorf Amatrice, zugute kommen sollen.

Gestartet hat die Initiative der Grafiker Paolo Campana aus Rom. “An Silvester habe ich noch mit Freunden im ‘Hotel Roma’ in Amatrice zu Abend gegessen, wo es die beste Amatriciana im ganzen Dorf gibt. Heute ist nichts mehr von dem Restaurant übrig”, sagte er diesem Beitrag zufolge. Auf Facebook startete er den Aufruf, in Solidarität mit den Erdbebenopfern Pasta all’Amatricina zu kochen – mit spektakulärem Erfolg. Die internationale Slow-Food-Bewegung übernahm den Vorschlag, der britische Starkoch Jamie Oliver stellte sich ebenfalls dahinter und forderte die Restaurant-Gäste unter dem Hashtag #EatForItaly auf Twitter dazu auf, das Nudelgericht mit der typischen Sauce aus Tomaten, Speck und Pecorino-Käse mit einem Hauch Chili zu essen und damit gleichzeitig Gutes zu tun. Es sind nicht die einzigen Hilfsaktionen, mehr darüber HIER.

Dafür wird aus Guanciale (Speck aus der Schweinebacke), Tomaten, Pecorino, Peperoncini (Chilischoten) und Olivenöl eine Sauce hergestellt und mit Pasta vermischt serviert.

Wenn hier und da die Rede davon ist, das  Gericht könne mit Zwiebeln und Weißwein verfeinert werden, widerspricht man dem energisch beim HIER veröffentlichten Originalrezept.

Die ursprüngliche Form des Nudelgerichts sind die Spaghetti alla gricia ohne Tomaten, die in den damals noch zum Königreich Neapel gehörenden Abruzzendörfern im Trontotal verbreitet war. Zubereitet aus denjenigen haltbaren Lebensmittel, welche Hirten mit in die Berge nehmen konnten, also Hartweizennudeln und Speck. Und denen, die sie selbst herstellten – Käse.

Die Erfindung der ersten Tomatensaucen und dann die mutmassliche Zugabe von Tomaten im Rezept stammt aus dem späten 18. Jahrhundert, als eine Pasta mit Tomatensauce  1790 im Kochbuch L’Apicio Moderno des römischen Kochs Francesco Leonardi erwähnt wurde. Das Rezept breitete sich in Rom während des 19. und frühen 20. Jahrhunderts aus aufgrund der engen Kontakte – schon damals seit mehreren Jahrhunderten – zwischen Rom und Amatrice.

In Rom, Rione Ponte, ist eine Gasse namens Vicolo dei Matriciani (heute Vicolo degli Amatriciani sowie ein Gasthof mit dem gleichen Namen seit dem 17. Jahrhundert dokumentiert.

In Rom wurden die Spaghetti durch dünne Hohlnudeln, die Bucatini,  ersetzt; dieses Rezept ist das heute bekanntere. In den Ursprungsorten in der Provinz Rieti hält man indessen an den Spaghetti im Rezept fest.

Letztendlich entscheidet bei der Hilfsaktion und ihrer regen Beteiligung ohne jeden Zweifel nicht, ob das Gericht nun mit Spaghetti oder Bucatini zubereitet wird – sondern dass viele durch diese Aktion daran teilnehmen und so für reichlich Spenden sorgen.

About Liz Collet

Photographer, Author, Foodstylist, Jurist
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